Spielekritik: “Pandemie”

Von am 14. Dezember 2009

„Unter Pandemie versteht man eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit, im engeren Sinn einer Infektionskrankheit. Im Gegensatz zur Epidemie ist eine Pandemie somit örtlich nicht beschränkt.“(Quelle: Wikipedia)

Dieser Begriffsdefinition folgend, sehen wir uns im gleichnamigen Brettspiel „Pandemie“ gleich vier solcher parallel ausbreitenden und die Weltbevölkerung bedrohenden Seuchen gegenübergestellt. Werden wir es schaffen, diese in den Griff zu bekommen und rechtzeitig Gegenmittel zu entwickeln oder werden uns die tödlichen Viren übermannen?

Die vor uns ausgebreitete Weltkarte zeigt die wichtigsten Metropolen und Städte der Welt: New York, Mumbai, Shanghai, Essen, Atlanta… Natürlich fragen wir uns nun, was in dieser Aufzählung ausgerechnet Atlanta zu suchen hat. Ganz einfach, in Atlanta befindet sich die „Centers for Disease Control and Prevention“ (in etwa: Zentrale für Seuchenbekämpfung und -prävention) und damit unser Ausgangspunkt.

Pandemie Cover

Reisen ohne Jetlag
Sind wir an der Reihe, haben wir Aktionspunkte, die wir nach Belieben einsetzen können. Nutzen wir diese zur einfachen Fortbewegung, um in eine nahe gelegene Stadt zu gelangen oder geben wir eine Handkarte ab, um per Direktflug zu einem Brennpunkt zu fliegen um dort Viren zu bekämpfen? Aber Vorsicht: Geben wir zu viele Handkarten ab, erschweren wir uns das Erforschen von Gegenmitteln, wofür wir fünf gleichfarbige Karten sammeln müssen. Um dies entwickeln zu können, brauchen wir Forschungslabore, die uns ebenfalls Karten und Aktionen kosten. Konzentrieren wir uns allerdings zu sehr auf die Entwicklung der Gegenmittel, weiten sich die Seuchen ungehindert aus und ehe wir uns versehen, stirbt uns ein Kontinent unter der Hand weg. Stress pur!

Es gilt also gut abzuwägen, um die wenigen Aktionspunkte so effektiv wie möglich einzusetzen. Nach jeder Aktionsphase eines Spielers werden neue Städte bekannt, die sich mit einem Virus infiziert haben. Wird gar eine Epidemie gemeldet, überschlagen sich die Meldungen und eine Stadt wird direkt mit der maximalen Anzahl von Virensteinen belegt. Nun ist höchste Vorsicht geboten, denn diese Städte sind wahre Pulverfässer. Beeilen wir uns nicht, den Brandherd einzudämmen, kommt es zu einem Ausbruch und alle angrenzenden Städte werden ebenfalls infiziert. Kettenreaktionen machen so aus einem bisher als ungefährdet geglaubten Gebiet schnell einen Krisenherd.

Ein Team aus Experten
Jeder der zwei bis vier Mitspieler schlüpft zu Beginn zufällig in eine von fünft Expertenrollen mit unterschiedlichen Fähigkeiten: Der Arzt kann von Seuchen befallene Städte schneller heilen, der Wissenschaftler schneller Gegenmittel finden, der Betriebsexperte baut mit seinem Fachwissen kostenlose Forschungslabore, die Forscherin kann Wissen in Form von Karten zwischen den Spielern einfacher tauschen und der Logistiker schließlich kann nicht nur sich, sondern vor allem seine Mitspieler schnell von A nach B bringen. Wirklich Herr über die Seuchen können wir nur werden, wenn wir als Team unsere Stärken gezielt einsetzen und uns in der Planung der eigenen Züge absprechen. Da die Rollen bei jedem Spielstart neu ausgelost werden und nie alle dabei sind, bleibt jede Runde überraschend neu.

Mit jeder Epidemie und jedem Ausbruch werden die Viren gefährlicher und breiten sich schneller und aggressiver aus. Die Zeit rennt uns davon. Während wir durch die Welt reisen, den neu ausbrechenden Viren stets einen Schritt hinterher, dürfen wir jedoch uns eigentliches Ziel nie aus den Augen verlieren: Die Gegenmittel! Erst wenn wir alle vier entwickelt haben, können wir uns zurück lehnen und als Retter der Menschheit fühlen.

Bei diesem Versuch werden wir oft scheitern, die Spannung und angenehme Hektik, die dieses Spiel in einem auslöst, sind aber so infizierend (ha!), dass wir nach einer gescheiterten Runde sofort einen neuen Versuch starten wollen, nein, gar starten müssen! Denn so einfach geben wir uns nicht geschlagen. Sind ja schließlich nur ein paar Viren und beim nächsten Versuch klappt es bestimmt!

Fazit
Ein düsteres Thema und aktuell wie nie, nicht nur in Zeiten der aktuell kursierenden Grippe-Pandemie. Es zeichnet gute Spiele in meinen Augen aus, wenn man beim Spielen den Mechanismus nicht mehr als solchen wahrnimmt, sondern völlig in der Stimmung des gewählten Settings eintaucht. Pandemie schafft dies vom ersten Ausbruch an, wenn man merkt, dass man es nicht einfach haben wird, gegen die Viren als Team zu gewinnen. Im Gegensatz zum ebenfalls kooperativen Spiel „Schatten über Camelot“, steht hier das funktionierende Team noch deutlicher und vor allem offener im Vordergrund. Die unterschiedlichen Rollen und Fähigkeiten bieten viel Raum zum experimentieren und koordinieren. Interessant bleibt das Spiel auch mit unterschiedlichen Spielpartnern: Wer mimt das Alphamännchen und plant für seine Mitspieler bereits Züge im voraus, wer reagiert daraufhin allergisch oder gar abweisend? Gibt es Einzelgänger, die sich nicht rein reden lassen wollen und damit gar den Sieg aufs Spiel setzen? Ein hoch spannende Angelegenheit nicht nur auf dem Brett und sowohl für Vielspieler als auch Einsteiger reizvoll. Uneingeschränkte Empfehlung!

Sonstiges

Geplante Erweiterungen
Die erste (und sicherlich nicht letzte) Erweiterung für das Spiel ist bereits erschienen. Sie trägt den Namen „Pandemie – Auf Messers Schneide“ und erhöht nicht nur die mögliche Anzahl von Mitspielern sondern auch den Schwierigkeitsgrad. Ein neues, fünftes Virus und Mutationen der vier bestehenden Seuchen fordern wahre Pandemie-Experten. Ein fünfter Spieler kann gar in die Rolle eines Bioterroristen schlüpfen und kämpft in „Mr. X“ Manier inkognito gegen die Spieler, die dafür eine Handvoll neuer Expertenrollen spendiert bekommen. Einen ausführlichen Testbericht von „Pandemie – Auf Messers Schneide“ lest ihr natürlich in Kürze hier.

Daten zum Spiel
Name: Pandemie
Autor: Matt Leacock
Verlag: Pegasus Spiele
Erscheinungsjahr: 2008
Art: Kooperatives Brettspiel
Mitspieler: 2-4
Dauer: ca. 45-60 Minuten
Alter: ab 12 Jahre

Auszeichnungen

  • Games 100 2009: Bestes Familienspiel
  • Deutscher Spiele Preis 2009: 3. Platz
  • Spiel der Spiele 2009: Spiele Hit für Experten
  • Nominiert zum Spiel des Jahres 2009

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