Spielekritik: “Catan – die erste Insel” für das Apple iPhone und den iPod Touch

Von Manuel Fritsch am 23. November 2009 um 11:49 Uhr Kommentare (4) - Trackback
Rubriken: Die Siedler von Catan, Spiele, Spielekritiken

IMG_0681Das erfolgreichste Brettspiel der Welt und das beliebteste Smartphone der Welt finden endlich zueinander. Nicht ganz pünktlich zum ersten Geburtstag des Apple’schen Appstores erscheinen die Siedler von Catan für das iPhone respektive den iPod Touch als Download.

Entwickelt wurde Catan für das iPhone von Exozet Games in Zusammenarbeit mit Klaus Teuber und erscheint im Vertrieb von United Soft Media. Exozet Games hatte zuletzt ebenfalls ein mobiles Catan umgesetzt, nämlich die Portierung für das Nintendo DS. Erfreulicherweise kostet die iPhone Version nur ein Zehntel davon, nämlich EUR 3,99 (Link zum Appstore). Im Vergleich zu sonstigen Spielen auf den iPhone dennoch eher im höheren Preissegment angesiedelt. Leider gab es bis zum Zeitpunkt des Testes auch keine „Lite“, bzw. Demoversion.

„Catan – Die erste Insel“, wie die Applikation vermutlich aus namensrechtlichen Gründen heißt, bringt uns nach dem Start in ein Menü, bei dem wir uns neben dem Erstellen eines neuen Spieles auch ein Tutorial zu Gemüte führen können (Gibt es denn noch Menschen, die die Siedler-Regeln nicht kennen?). Im Optionsmenü können wir die Lautstärke der Musik und Soundeffekte einstellen, überflüssige Gegnerkommentare deaktivieren (Danke!) und sehr wichtig: die Geschwindigkeit der Würfelanimationen auf „schnell“ setzen. Warum man die Animationen nicht einfach mit einem kurzen Fingerzeig stoppen kann, ist mir schleierhaft, aber vielleicht wird das in einem der nächsten Updates ja gefixt. Nicht nur für ungeduldige Menschen sind die Würfelanimationen in der Grundeinstellungen eine Zumutung. Im Menüpunkt „Hilfe“ können wir schließlich noch einen Blick in den Almanach werfen.

Optionsvielfalt
Wollen wir ein Spiel erstellen, haben wir erneut einige Entscheidungen zu treffen. Zuerst definieren wir natürlich, ob wir gegen 2 oder 3 Gegner spielen wollen und ob diese menschlicher oder künstlicher Intelligenz angehören. Falls wir keine Freunde zur Hand haben und der Typ neben uns im Bus komisch riecht und uns nicht sehr einladend anschaut, nehmen die Computerspieler Marianne & Co. die Herausforderung gerne gegen uns an. Die Figuren unterscheiden sich nicht nur optisch sondern auch durch unterschiedliche Werte bei Expansion, Agression und Talent. Wer schon einmal eine digitale Inkarnation von Catan auf dem PC, der XBOX oder dem Nintendo DS gespielt hat, kennt die Figuren.

Nach der Wahl der Mitspieler werden wir geradezu erschlagen von Optionen, es gilt nun zu bestimmen, WIE wir unsere Partie geregelt haben wollen. Zuerst entscheiden wir uns zwischen einer Zufallskarte oder der Standard-Verteilung, wir bestimmen ob der Räuber wie üblich gesetzt werden darf oder wählen die Option „Freundlich“, bei der man nur Spieler berauben darf, die mehr Siegpunkte haben, als die Startaufstellung hergibt.

Die Würfel sind…gelegt
Sehr erfreulich: Die durch die Variante “Ereignisse auf Catan” erstmals eingeführte Möglichkeit, das Würfelglück aus dem Spiel zu eliminieren, kann hier in zwei Varianten gesetzt werden: Bei „Stapel“ kommen alle Würfelergebnisse in der Häufigkeit ihrer statistischen Verteilung vor, bei „Stapel5“ werden 5 Kombinationen per Zufall weggelassen, wodurch die Berechenbarkeit verloren geht, das Glück aber dennoch minimiert wird.

Der Startmodus: Hier haben wir die Wahl, ob wir mit zwei Siedlungen beginnen oder einer Siedlung und einer Stadt. Dies beschleunigt die Runde etwas, genauso wie die nächste Option, bei der wir die benötigten Siegpunkte definieren, die von 8 bis 12 reichen dürfen. Als letzte Option bleibt noch der „Rohstoffbonus“, hier können wir gnädig sein, und Spielern, die 5 Runden keine Rohstoffe erhalten haben, einen frei wählbaren Rohstoff geben.

Geschafft, das Spiel beginnt
Das hochformatige iPhone Display zeigt uns in den vier Ecken die kleinen Spielerportraits mit einer Übersicht über Rohstoffe, Handkarten, SP, Rittern und Straßenlänge. Am unteren Bildschirmrand sehen wir unsere Rohstoffe. Ein kleiner Halbkreis mit Pfeil am rechten Rand läßt uns ein Menü ausklappen, in welchem wir bauen, kaufen, tauschen, speichern und die nächste Runde einleiten können. Apropos speichern: Das Spiel merkt sich den aktuellen Spielstand, sollten wir in einer Partie einen Anruf erhalten oder das Spiel über die Home-Taste des Gerätes verlassen. Laden wir Catan erneut, können wir die Partie nahtlos fortsetzen. Wie am iPhone üblich, zoomen wir uns mit der „2-Finger-Pinzetten-Technik“ in das Spielfeld rein und raus. Mit einem Finger schieben wir das Feld an unseren gewünschten Punkt. Die Felder sind grafisch hübsch anzusehen, plastisch gestaltet und, nun, animiert wäre hier das falsche Wort… wie soll man das beschreiben… sagen wir es mal diplomatisch: Die Felder haben 3 unterschiedliche Zustände, die im Wald schätzungsweise „im Wind wiegende Baumwipfel“ andeuten sollen. Bei den Schafen auf der Weide würde man jedoch eher die Maul- und Klauenseuche oder einen Grafikfehler vermuten, hier könnte der Grafikchip des Gerätes ruhig noch ein paar Zwischenbilder mehr vertragen können.

Zeitloses Spielkonzept auch für unterwegs
Das Spiel läuft, nachdem wir die beschleunigten Animationen aktiviert haben, nach einer kurzen Eingewöhnung gut von der Hand und wir bauen fleißig Siedlungen und Straßen, ärgern uns über weggeschnappte Kreuzungen und freuen uns über die längste Handelsstraße, wie bei der großen Brettspielvorlage auch. Seefahrer, Ritter und Co. sind zur mobilen iPhone Party vorerst natürlich noch nicht eingeladen, wir begnügen uns also mit dem Grundspiel, aber bei einsetzendem Erfolg lassen diese Erweiterungen sicherlich nicht lange auf sich warten. Das Tauschen mit den Mitspielern funktioniert überraschend gut und die Spieler bieten auch, je nach Dringlichkeit, mal 2:1 Handel an, wenn wir den ersten Vorschlag ablehnen. Die Computerspieler spielen gut und ersetzen einen Mangel an menschlichen Mitspielern für Zwischendurch ganz passabel. Doch hier sind wir auch schon beim größten Kritikpunkt des Spieles: Wo ist der Multiplayermodus? Mit dem iPhone haben Millionen von Siedler-Fans ein Gerät an der Hand, welches permanent online ist und geradezu prädestiniert dafür ist, IMMER und ÜBERALL Mitspieler für eine Partie Siedler zu finden. Aber die „Catan“ Umsetzung für das iPhone bietet leider nur einen sogenannten „Hotseat-Modus“, das heißt, wir brauchen einen menschlichen Spieler physikalisch direkt neben uns, dem wir nach unserem Zug das iPhone Gerät in die Hand drücken. Dieser Modus ist schon aus zwei Gründen völlig irrsinnig. Erstens: Wenn ich einen Menschen greifbar habe, dann spiele ich eine echte Partie Siedler. Und Zweitens: Wer ist so leichtsinnig und gibt freiwillig sein iPhone aus der Hand? Eben.

Die Hoffnung stirbt natürlich zuletzt und die Entwickler täten gut daran, einen Patch nachzuliefern, der das Spielen via Internet ermöglicht. Ein rundenbasierter Modus, wie Ihn schon einige Spiele im Appstore bieten, bei dem die Mitspieler via Mail (oder gar Pushnachricht) über Ihren nächsten Zug benachrichtigt werden, wäre dazu natürlich ideal. Technisch sollte aber auch ein „Live“ spielen möglich sein. Sollte diese Möglichkeit nachgereicht werden, werden wir auf Siedeln.de natürlich sofort darüber berichten.

Bis dahin bleibt als Fazit, dass „Catan – die erste Insel“ für Siedlerfans und solche, die es werden wollen, ein passabler Zeitvertreib für die Wartezeiten am Bus darstellt, die Seele des Spiels aber aufgrund des fehlenden Multiplayer-Modus (noch) fehlt.

Screenshots vom Spiel

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Schade, der fehlende Multiplayer-Modus ist für mich ein Grund, das Spiel nicht zu kaufen.

Da bleibe ich dann lieber (wenn es digital sein muss) bei der Xbox-Version.
Oder halt direkt beim Brettspiel. ;)

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