| Es ist ja bekanntlich eine Unverschämtheit, der deutschen Familie ein Spiel vorzulegen, das mehr als drei Regeln aufweist und länger als dreißig Minuten dauert – sowas kapiert sie nie, da zappt sie inwendig gleich weiter. Seltsamerweise gibt es aber doch ein paar Leute, so um die 1,5 Millionen sind es momentan, die sich dem Häppchenspiel siedelnd widersetzten; derart auf Schwerwiegendes eingestimmt, haben sich nicht wenige von ihnen zur Seefahrer-Erweiterung hinreißen lassen und mochten auch das Kartenspiel nicht meiden. Zur Krönung bekommen sie nun gewaltig eins auf den Tisch, bekommen die dritte Schachtel geliefert und müssen freudig gewarnt werden: noch komplexer, noch länger; wer jetzt noch auf der Insel wohnt, verliert jegliches Landleben aus dem Blick. Es gibt kein Zurück von Catan, nun nicht mehr, da die Städte zu Metropolen werden können und die Angriffe feindlicher Barbaren die Anwesenheit jedes rettenden Ritters unbedingt erfordern. Die neue und mutmaßlich letzte (?) Erweiterung ist, um es kurz zu machen, eine segensreiche Vermählung von Brett- und Kartenspiel; |
wir spielen auf dem Brett und bauen unsere Städte aus in den Bereichen Kultur, Wirtschaft, Politik, wofür es Karten gibt von solch netter Art wie „Jeder Mitspieler muß Ihnen zwei Karten eines Rohstoffs geben". Der Ausbau allerdings setzt Handelswaren voraus, die neben den üblichen Rohstoffen am Rande von Städten abfallen. Es ist also wie immer und doch anders, weil um eine Stufe weitergetrieben ins Hirn- und Abendfüllende: Es ist ungefähr so, als sähen wir einen Abenteuerfilm und hätten die Möglichkeit, durch die Leinwand als Hauptdarsteller ins bunte Geschehen zu treten. Wir engagieren Ritter, um gemeinsam die barbarische Invasion abzuwehren, wir bauen Stadtmauern, um mehr Rohstoffe lagern zu können, wir fallen zurück und weinen vor uns hin, wir finden unversehens wieder Anschluß und können unser Können kaum fassen. So fließt die Zeit oder steht, und wenn der 13. Siegpunkt gefallen ist, schrecken wir auf und ärgern uns über die Unverschämtheit, mit welcher der deutschen Familie auch andere Spiele vorgelegt werden als solche. |