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Michael Knopf: Kritik zu "Die Seefahrer"

(Quelle + Copyright: Michael Knopf / Süddeutsche Zeitung)

In der Tiefe des Gedächtnisses suchen wir nach Textbausteinen und finden dies: Viel taktiert, viel gehandelt, viel geärgert, viel gefreut. Und das: Wir kaufen uns einen größeren Tisch und gehen nie mehr aus dem Haus. Baustein eins stand in der Kritik des Spiels „Die Siedler von Catan", Baustein zwei in der Besprechung des „Siedler-Kartenspiels". Nun sagen wir einfach: Stimmt alles immer noch und erst recht, und es ist gar nicht lieb von Klaus Teuber, daß er keine Ruhe gibt mit seinen Siedlern, weil unsereiner keine neuen Worte mehr findet zum Ausdruck der Wunsches, daß es mit den Siedlern und ihrer unaufhaltsamen Welteroberung nie und nimmer eine Ende haben möge. Ja, die Welt, liegt hinter dem Meer, weshalb wir nun in See stechen: auf vielen blauen Plättchen, die der (das Grundspiel ergänzende, nicht ersetzende!) „Seefahrer-Erweiterung" beiliegen nebst Landfeldern, wie wir sie kennen. Wald, Weide, Erzgebirge; wir bauen wie gehabt Siedlungen und Städte und Straßen dazwischen, wir ernten für diesen Zweck Rohstoffe und tauschen sie und verlieren sie manchmal wieder; wir sammeln Siegpunkte. Aber die Schiffchen? Ja, die Schiffchen, sind Straßen fürs Wasser – denn wir können Catan jetzt verlassen, indem wir an Siedlungen oder Straßen Schiffe setzen, Schiff um Schiff, bis wir drüben sind auf einer anderen Insel und dort auch Siedlungen bauen, sofern uns der Seeräuber nicht unterwegs gefangen hat. Wo ist drüben, was ist drüben? Das kommt darauf an: Die Erweiterung ist nicht einfach ein Spiel, sie ist elf Spiele in einer Schachtel, die leider so lila aussieht wie ein Bonbonpapierchen für den katholischen Kirchentag; elf „Szenarien" sieht die Regelbroschüre nämlich vor, also elf verschiedene Möglichkeiten für jeweils drei oder vier Seefahrsiedler, aus den diversen Plättchen einen Kontinent zusammenzubauen. Zwei Inseln, drei, vier, große, kleine? Mit viel Meer dazwischen oder eher wenig? Und nichts spricht dagegen, sich selbst ein Bühnenbild zu entwerfen für dieses Stück, in dem wir immer noch und erst recht vergessen, daß es ein Leben gibt jenseits von Catan. Ein Leben? Wir verriegeln die Haustür und verdunkeln die Fenster und warten auf die Weltraumerweiterung und neue Textbausteine.

Bewertung: super


Weitere Kritiken: Die Siedler von Catan - Das Kartenspiel - Die Seefahrer - Die Sternenfahrer von Catan - Städte & Ritter - Sternenschiff

Buchtipp: "Spielen" von Michael Knopf

Surf-Tipp: Eine Rede über und für Klaus Teuber (auf der Spielwiese)

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