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Michael Knopf: Kritik zu "Siedler - Das Kartenspiel"

(Quelle + Copyright: Michael Knopf / Süddeutsche Zeitung)

Irgendwann wird es soweit sein, daß uns die sogenannte Wirklichkeit, diese Ödnis, in der wir hausen, überhaupt nicht mehr interessiert, weil wir ja „Catan" haben, die Insel der unbegrenzten Möglichkeiten. Muß man die „Siedler von..." noch preisen, für drei bis vier Weltflüchtlinge, oder deren Ergänzung, mit welcher gleich fünf oder sechs siedeln konnten? Manchmal aber sind wir doch nur zu zweit, das war sehr traurig bislang, weshalb sich der Gott von Catan, als Klaus Teuber auch bekannt, dieser Angelegenheit angenommen hat: Die Siedler, tusch!, das Kartenspiel! Wieder wird der Tisch zur Welt, nur liegen jetzt Karten drauf, aus denen wir zwar keine Insel formen, aber jeder ein Fürstentum – mit Siedlungen, Städten, Straßen, Landschaften samt Rohstoffen, die zum Ausbau benötigt werden. Kartenspiele sind ja eher abstrakt, es dauert also ein bißchen, bis wir eine geistige Verbindung hergestellt haben zwischen den Ereigniskarten, Aktionskarten, Ausbaukarten für Städte, für Gebiete – und unserer Aufgabe, ein funktionstüchtiges, reiches, gegen Angriffe gerüstetes Fürstentum zu etablieren. Am Anfang ist es neun Karten groß und enthält das Nötigste; der Würfel bestimmt dann, wann welche Rohstoffe anwachsen und ob uns Ereignisse heimsuchen; mit unseren Aktionskarten dürfen wir selbst beim Fürsten gegenüber Schicksal spielen; mit Hilfe der Rohstoffe können wir bauen, entweder zum Schutz unseres Besitzes (Ritter, Wasserversorgung, Kirche...) oder eben zu dessen Ausbau mit Straßen und Städten, wofür es neue Landschaften und damit Rohstoffe gratis gibt. Alles Bauen unterliegt bestimmten Legeregeln und steht uns ansonsten frei, auch dürfen wir untereinander tauschen und handeln, wodurch sich die „Siedler"-typische, annähernd geniale Mischung ergibt: Glück, Taktik, Kommunikation. Kartenspiele sind ja mitunter eher eindimensional und fallen bald dem verdienten Vergessen anheim; das Kartenspiel ist ein weitverzweigtes Fürstentum, in dem wir lange wohnen werden. An „Magic", den Sammelkartenwahn, erinnert es nur von ferne, obwohl immerhin schon eine Turnier-Erweiterung angekündigt ist. „Catan" wächst und gedeiht, von einer bevorstehenden Seefahrerfassung ist ebenfalls zu hören: Wir kaufen uns einen größeren Tisch und gehen dann nie mehr aus dem Haus.

Bewertung: super


Weitere Kritiken: Die Siedler von Catan - Das Kartenspiel - Die Seefahrer - Die Sternenfahrer von Catan - Städte & Ritter - Sternenschiff

Buchtipp: "Spielen" von Michael Knopf

Surf-Tipp: Eine Rede über und für Klaus Teuber (auf der Spielwiese)

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