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Interview mit Klaus Teuber

In Jahr 2000 wurde das Jubiläum "5 Jahre Catan" gefeiert. Pünktlich zum Jubiläum veröffentlichte Siedeln.de ein E-Mail-Interview mit dem Autor und Schöpfer der Siedler von Catan Spiele Klaus Teuber.

Vielen Dank an Frank Bengen, Andrea Kahmann, Justus Linker, Thomas Raz, Daniel Laudahn, Axel Bartsch, Jörg Brandes, Hartmut Brunotte, Andreas Siegl, Matthias Stanecki, Eric M.Roßner für die Fragen & Anregungen und natürlich Klaus Teuber.

Hinweis: Dieses Interview wurde zunächst exklusiv auf Siedeln.de veröffentlicht. Später wurde es auch in der Catan News 1/2002 abgedruckt.

Siedeln.de: Was spielen Sie neben SvC am Liebsten (Brett und/oder PC)?

Klaus Teuber: Ich spiele seit über 30 Jahren mit Freunden Doppelkopf. Zwei sind Juristen, einer Lehrer und ein anderer ist Sozialpädagoge. Wenn wir uns treffen, ist es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Wir frotzeln, lachen und haben unseren Spaß genauso wie die Jungs, die vor dreißig Jahren für eine Doppelkopfrunde den Unterricht schwänzten.

Hat sich der kommerzielle Erfolg auf Ihr Leben ausgewirkt?

Früher habe ich mein Geld als Chef eines Dentallabors verdient, tagsüber Kronen und Brücken modelliert und abends zur Entspannung Spiele entwickelt. Heute verdiene ich mein Geld mit der Entwicklung von Spielen und modelliere abends zur Entspannung Figuren oder Landschaften. In meinem Leben hat sich sonst wenig geändert.

Wie sieht der Tagesablauf eines Spieleautors aus?

Um acht Uhr beginne ich meist mit meiner Arbeit und beantworte erst mal eingegangene E- Mails. Viel Zeit nimmt die Betreuung und Weiterentwicklung der Catan-Welt in Anspruch. Dazu gehören nicht nur Szenarien oder ein neues Regelkonzept, sondern auch die Konzeption der Catan-Computerspiele und da z.B. die Darstellung der künstlichen Intelligenz mit Hilfe von Excel Tabellen, für die ich fast ein halbes Jahr benötigt habe. Einen Großteil meiner Zeit beansprucht auch die redaktionelle Bearbeitung neuer Spiele für Kosmos mit meinen Freunden von TM-Spiele.

Wie lange haben Sie gebraucht um dieses Spiel zu kreieren?

Ich meine damit von der ersten Idee, bis hin zur letzten Überarbeitung. Das waren knapp vier Jahre. Das klingt nach einer langen Zeit. Aber die brauche ich immer für ein komplexes Spiel. Ich packe am Anfang, wie viele Kollegen wohl auch, immer zu viele Ideen in ein Spiel. So gab es beispielsweise bei der ersten Catan Version schon bewegliche Ritter und die Landschaften mußten erst "entdeckt" werden. Alles in Allem zu viel für ein ausgewogenes Spiel. Ein Spiel braucht Zeit, um auf das Wesentliche reduziert und zur Reife gebracht werden zu können. Ich muß ein Spiel auch mal ein halbes Jahr liegen lassen können, um neue Ideen zu sammeln und Sackgassen zu erkennen.

Wie gestalten Sie Ihre Freizeit, gibt es geheime Hobbies?

Ich halte mich fit mit Schwimmen, Radfahren oder Joggen. Ansonsten lese ich gern, liebe klassische Musik und modelliere mit Freude an der dreidimensionalen Catan-Welt. Und das ungezwungene Spiel (keine Tests) im vertrauten Kreis ist nach wie vor eine meiner liebsten Beschäftigungen.

In diesem Jahr wird das Jubiläum "5 Jahre Catan" gefeiert. Haben Sie bereits im Erscheinungsjahr 1995 mit diesem großen Erfolg gerechnet?

Nein, ich dachte das Spiel sei zu komplex für eine große Zielgruppe. Ich war dann doch sehr überrascht, daß sich das Spiel innerhalb weniger Jahre so durchgesetzt hat.

Worauf beruht Ihrer Meinung nach dieser Erfolg?

Das Spiel ist konstruktiv, es gibt keinen Krieg auf Catan. Das Spiel ist kooperativ und interaktiv. Es gibt keine langen Wartezeiten. Auch wenn man nicht an der Reihe ist, ist man in das Spiel eingebunden. Das Spiel ist variabel, man findet bei jedem neuen Spiel eine andere Ausgangslage vor. Das Siedeln auf Catan ist bei Frauen und Männern gleichermaßen beliebt.

Welche Bedeutung hat das Glücksmoment für Sie in einem Spiel?

Glück im Spiel ist für mich wie das Salz in der Suppe. Auf die richtige Prise kommt es an. Man stelle sich ein Leben ohne Glück vor, ein Leben, in dem ich alles strategisch planen könnte. Das wäre mir auf Dauer zu langweilig. Im Spiel möchte ich erleben, ich möchte Abenteuer. Für mich ist ein gutes Spiel wie ein kleines Leben, in dem ich mir im Gegensatz zum richtigen Leben Fehler erlauben kann und mir auch mal eine Pech- oder Glückssträhne gönnen darf. Aber man sollte dem Glück nicht ausgeliefert sein. Man sollte Pech ausgleichen können, so wie es ein Freund auf Catan zu tun pflegt: Er jammert ständig über sein Pech, so daß man kulanter mit ihm handelt und er nur selten mit dem Räuber belästigt wird. Meist gewinnt er am Ende dann ganz überraschend.

Glauben Sie, daß die SvC-Spiele das Zeug zum Klassiker, ähnlich wie "Mensch ärgere dich nicht" etc. haben und wir 2045 das Jubiläum "50 Jahre Catan" feiern?

Ja, ich glaube daran, daß Catan ein Klassiker werden könnte. So wie Mensch ärgere dich nicht oder Monopoly hat das Spiel ein zeitloses Thema und ist nicht an Trends gebunden.

Könnten Sie sich eine Art "SvC-Bundesliga" vorstellen, in der sich z.B. die Bestplaziertesten direkt für die Siedler-Meisterschaften qualifizieren können?

Sicher, es ist nur eine Frage, ob es genügend Interessenten gibt. Und dann muß das ganze auch noch jemand organisieren.

Sehen Sie eine Gefahr, daß Computerspiele die klassischen Gesellschaftsspiele verdrängen könnten?

Nein, ich arbeite ja in beiden Bereichen. Mir gefällt auch das eine oder andere Computerspiel . So habe ich zuletzt mit viel Spaß "Pharao" gespielt. Doch ein Computerspiel ersetzt mir nicht das klassische Brett- oder Kartenspiel. Es ist ja gerade das unwägbare menschliche Verhalten, das Gelächter und die Ärgerfalten auf der Stirn meines Kontrahenten, die ein Brettspiel zum Erlebnis werden lassen. Ein Computerspiel ist dann eine schöne Alternative, wenn man Lust auf ein Spiel hat und keine Mitspieler zur Verfügung stehen. Mehr als eine Alternative bietet das Computerspiel im Netz. Hier kann ich mit Partnern spielen, die in weit entfernten Städten wohnen. Die Kommunikation über das Chat-Fenster hat einen ganz eigenen Reiz.

Welche Chancen sehen Sie für Gesellschaftsspiele durch das Medium Internet und welchen Einfluß wird dieses speziell auf die SvC-Spiele haben?

Über das Internet werden Meinungen und Erfahrungen ausgetauscht. In 10 Jahren wird dies noch wesentlich stärker der Fall sein als heute. Bevor ich mir ein Spiel kaufe, besuche ich erst mal das Internet und informiere mich in einer Newsgroup. Das funktioniert ja heute schon, wenn auch im bescheidenen Rahmen. Dadurch werden gute Spiele, auch von kleinen Verlagen, bessere Verkaufs-Chancen haben. Schlechte Spiele und Merchandising-Spiele werden sich dann trotz Fernsehwerbung schlechter verkaufen. Nicht nur für SvC, generell bietet das Internet allen Spielen bessere Chancen als früher. Man kann Regelfragen diskutieren oder klären, interessante Szenarien oder Varianten aus dem Netz holen oder einfach nur gleichgesinnte Spielpartner finden.

Welches ist das beeindruckendste Spielprinzip das Sie kennen ?

Die Spielprinzipien klassischer Spiele wie Skat, Schach, Go oder Mancala. Beeindruckend finde ich, daß die Regeln dieser Spiele, so wie Märchen von Generation zu Generation weitergegeben, im Laufe der Zeit verfeinert wurden und heute als Erbe unserer Vorfahren unser Leben bereichern. Beeindruckend finde ich, daß sich die Prinzipien dieser Spiele über Jahrhunderte behauptet haben und sie es auch heute noch mit jedem modernen Spiel aufnehmen können.

Wird es in Zukunft Erweiterungen zu "Sternenfahrer" (z.B. eine Erweiterung für 5-6 Spieler) oder noch mehr Erweiterungen zu den SvC-Spielen geben? Und wenn ja, wann?

Nach dem großen Verkaufserfolg der Sternenfahrer wird es eine Ergänzung für 5 und 6 Spieler geben. Ich war zunächst skeptisch und dachte das Spiel würde zu sechst vielleicht zu hektisch und unübersichtlich. Aber unsere erste Testpartien verliefen sehr gut und fast alle waren der Meinung, daß es zu sechst noch mehr Spaß als zu viert macht. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es nächstes Jahr zwei neue historische Szenarien geben und im Herbst das lang angekündigte Catan-Spiele- Buch mit den besten Szenarien von Catanern für Cataner. Was darüber hinaus kommen wird, kann ich heute noch nicht sagen. Auf jeden Fall wird es keine Spiele in der Welt Catans geben, die ich, meine Familie, meine Kollegen von TM und Kosmos nicht überzeugend finden.

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