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Das Catan Spielbrett im Selbstbau von Marc Kunze

Das fertige Catan Spielbrett von Marc KunzeVorwort:
Als erstes möchte ich jedem die Angst vor dem Nachbau nehmen. Ich selbst bin kein Schreiner oder Tischler. Ich bin vom Beruf Softwareentwickler, also ein Schreibtischtäter.
Dennoch dachte ich mir, dass es eigentlich nicht schwer sein sollte, auf der Basis des Original Spielbretts von spielenet.de, eins, in einen etwas einfacheren Aufbau nachzubauen.
Mir gefiel aber Aufbau des Originals nicht ganz, da er durch seine Einfräsungen keinen anderen Aufbau zulässt. Ich wollte aber ein Brett, was auch Szenarien und Varianten erlaubt, wie die, die z.B. in siedeln.de von vielen Mitgliedern und Catan Fans gepostet werden.

Ich möchte jedoch auch betonen, dass der Preis für das gefräste Brett von 169,00 EUR meiner Meinung nach in jeden Fall berechtigt ist. Denn wenn man eine Arbeitsstunde mit, sagen wir mal 15 EUR veranschlagt, so merkt man doch schnell, das es kaum möglich ist ein Brett in dieser Qualität innerhalb 10-12 Stunden zu fertigen.
Ich selbst habe an meinem Brett ca. 20 Arbeitsstunden gebaut. Dabei sind die Entwicklung und das Erstellen der Zeichnung nicht mitgerechnet.

So, hier erstmal einen Auflistung der benötigten Teile für das Brett:

Material:

Anzahl
Gegenstand
Preis, ca. [EUR]
1
Zeichnung auf Transparentpapier im Maßstab 1:1 (muss nicht unbedingt)
-
3
Leimholzplatten, Größe 80 x 80 cm, 8mm stark,gibt es in verschiedenen Holzarten z.B. Fichte
20-25,-
je 1
6 mmÆ, 10 mmÆ Holzbohrer
5,-
1
26 mmÆ Holzfräser / "Forstner" Bohrer
12,-
8-10
Holzzapfen / Holzdübel 6mm ca. 20mm lang
3,50
1
Tube Wasserfesten Holzleim
5,-
5-6
Blatt Schleifpapier Körnung 80 - 120
2,50
1
Parkett Siegellack (ist besonders Strapazierfähig)
7,-
1
ca. 20-30 mm breiten Pinsel
2,75
50 x 150 cm
Anti-Rutsch-Vlies (was z.B. unter Teppiche kommt)Habe ich in der "Teppich Domäne" sogar in Schwarz bekommen. (haben die auch in Catan Rot ;-) )
3,-
 
Diverses Kleinmaterial wie Nägel, Stecknadeln, Filzstift, Bleistift, Lineal…
-

Werkzeug:
Bohrmaschine, Schwingschleifer, Stichsäge, min. 8 kleine Schraubzwingen, wenn vorhanden einen Multidremel (kleine schnell laufende Handbohrmaschine zum schleifen und fräsen)
Alles im allen, hat mich das Catan Brett so um die 50.- Euro an Material gekostet. Je nach schon vorhandenen Werkzeug, kann der Preis auch noch start nach unten gehen.

Solltet Ihr nicht die Möglichkeit haben, die Zeichnung auf einem Transparenten Papier im Maßstab 1:1 zu drucken, so kann ich gerne auf Anfrage eine Zeichnung erstellen, die alle Eckpunkte bemaßt hat, um diese anschließend auf das Brett zu übertragen zu können. Tipp: Ich habe es zwar nicht versucht, doch eigentlich sollte es auch möglich sein die vollständige Zeichnung auf 9 Einzelblätter in DIN A 4 zudrucken und als große Zeichnung zusammen zu kleben. (Etwas überlappen, um die Masse einzuhalten zu können.)

Doch hier erstmal die Arbeitsschritte in der Reihenfolge der Bearbeitung.

Arbeitsschritte:

1. Die Bohrschablone zentrisch auf ein Holzbrett legen und mit Stecknadeln fixieren. Tipp: Damit die Zeichnung nicht ausreißt, zwei Streifen Tesafilm überkreuz kleben. Dieses Brett wird unser Oberbrett. Jetzt mit einem dünnen Nagel alle grünen Zentrierpunkte mit 26mm und 10mm Durchmesser mittig (siehe Zeichnung) übertragen. Aber Achtung!, nicht die inneren Ecken für die Barbarenkarte und nicht die für die Holzdübel (6mm). Tipp: Man kann die Mittelpunkte der Bohrungen beim Bohren leichter wieder finden, wenn diese mit einem Filzstift markiert werden.

2. Um ein verrutschen der Ober-, Mittel- und Unterplatte beim Bohren und verkleben zu verhindern, habe ich zuerst alle drei genau übereinander gelegt und mit den Schraubzwingen fixiert. Anschließend habe ich von der Unterseite der Unterplatte an den Ecken und jeweils in der Mitte der Kantenseiten mit einen 6mm Bohrer bis etwa zur Mitte der Oberplatte angebohrt. Bitte nicht durchbohren, sieht sonst nachher doof aus. Diese Bohrungen sind für die Holzdübel, um später die Platten genau so wieder zusammen fügen zu können. (siehe Zeichnung: 6mm Bohrung)

3. Nachdem die drei Platten ihre Zentrier/Fixierlöcher haben, stellen wir das Unterbrett auf Seite. Jetzt legen wir Ober- und Mittelplatte aufeinander und klemmen sie wieder mit den Schraubzwingen. (Fixiert durch die Holzdübel!) Nun habe ich die zuerst die kleineren Bohrungen mit den 10mm Bohrer und dann die großen an den Kartenfächern mit den 26mm Fräser durchgebohrt. Aber auch hier Achtung! Die Aussparung für das eigentliche Spielfeld wird nur in der Oberplatte gebohrt! Also zuerst die Kartenfächer und die Fächer für die Spielsteine bohren, dann die Mittelplatte auf Seite legen und die fehlenden Bohrungen in der Mitte bohren. Am besten geht das ganze mit einem Bohrständer oder einer Standbohrmaschine.

4. Nun habe ich die Schnittlinien für die Ausschnitte mit Lineal und Bleistift! (lässt sich bekanntermaßen ausradieren) auf der Oberplatte eingezeichnet. Tipp: Es ist besser dies nach dem Bohren zu machen, denn dann kann man etwaige Unregelmäßigkeiten vom Bohren ausgleichen. Die durch das Bohren entstandenen Rundungen habe ich natürlich als Ecken verwendet. (auch hier siehe Zeichnung) Tipp: Wer mit der Stichsäge vertraut ist, weiß dass diese beim Rückhub sägt. Es wäre also besser von der Unterseite des Unterbrettes zu sägen. Ich habe jedoch hier darauf verzichtet, um den Ablauf der Arbeiten nicht allzu sehr zu komplizieren. (Spiegelverkehrt, tausch Ober und Unterbrett,…) Wer jedoch ein wenig geübt ist, sollte unbedingt von unten sägen, da hier das Holz weniger ausfranst.

5. Nachdem alle Linien auf der Oberplatte eingezeichnet sind, sägen wir mit einer Stichsäge und einem Holzsägeblatt mit schnellst möglicher Hubzahl die Karten- und Spielsteine Fächer in der Ober- und Unterplatten gleichzeitig aus. Tipp: Am besten klemmt Ihr die Schraubzwingen immer so nah wie möglich an der Schnittkante entlang. Sonst fangen die zwei Bretter an zu schwingen und Ihr bekommt unsaubere Schnittkanten. Wenn die Fächer ausgeschnitten sind, trennen wir beide Platten wieder und sägen jetzt das Spielfeld auf der Oberplatte aus. Um nicht allzu viel Instabilität in die Bretter zubekommen, sollte das innere Spielfeld in der Oberplatte als letztes gesägt werden.

6. So, das war schon mal das schwierigste. Jetzt habe ich mit dem Schmirgelpapier die Kanten auf der Oberseite der Oberplatte ein wenig gerundet. Die Schnittkanten der Mittelplatte habe ich nicht bearbeitet, sondern nur die Fasern wieder in Ihre Ursprungslage zurückgedrückt. Warum seht Ihr später.

7. Jetzt müssen die drei Platten miteinander vollflächig verleimt werden. Hierzu verwenden wir wieder die Holzdübel in den Zentrierlöchern. Da ich keine sogenannte Leimpresse habe, habe ich unseren Dorfschreiner gefragt. Der hat mir das Brett sogar Umsonst verleimt. Er gab mir jedoch noch einen Tipp?: Sollte keiner eine Möglichkeit haben, an eine Leimpresse zu kommen, kann man auch seinen PKW als Gewicht verwenden. Dann sollte dann aber eine mindesten 16mm starke Holzplatte oberhalb wie unterhalb des Spielbretts liegen. Das Auto dann einfach auf die Bretteransammlung stellen. (Ich weiß nicht was ich davon halten soll, doch der Schreiner hat mir versichert, es ginge auch so). Die Leimung sollte mindesten 24 Stunden unter Druck stehen, ansonsten könnte sich das Brett später noch verziehen und wellig werden.

8. Nach dem ich das Brett beim Schreiner abgeholt hatte, sah das ganz schön zerfranst aus siehe Zeichnung. Doch die Fasern, die beim Sägen ausgerissen sind, waren jetzt fest mitverleimt. (Das war ja auch Sinn der Sache) Diese habe ich jetzt an den Kanten mit eine scharfen Messer abgeschnitten. Den hervorgequollenen Leim habe ich mit einem Multidremel und einem kleinen Fräser abgefräst. Es geht aber auch mit einem Holzmeißel oder einem Spachtel.

9. Da mein Anti-Rutsch-Vlies nicht ganz blickdicht war, habe ich die Spielfläche mit einer dunklen Holzfarbe (war irgendein Restbestand) vorgestrichen.

10. Nun muss das Anti-Rutsch-Vlies auf Maß geschnitten werden. Dazu hab ich die Rolle einmal in der Mitte geteilt und auf Stoß auf einem Tisch ausgelegt. (Habe leider kein Vlies gefunden, das breit genug war, die gesamte Spielfläche auszulegen) Jetzt die Oberplatte drauflegen und die Konturen mit eine Filzstift nachzeichnen und ausschneiden.

11. Das verleimte Brett mit eine Schwingschleifer und Schmirgelpapier von allen Seiten glatt schleifen und einmal dünn vorstreichen. Der Versiegelungslack den ich hatte, musste 24 Stunden vor dem weiterverarbeiten trocknen. Dann wieder mit dem Schwingschleifer anschleifen und eine zweite Lackschicht auftragen. Diese kann nun etwas dicker sein. Je nachdem kann auch noch eine dritte Schicht aufgetragen werden.

12. Mit der letzen Schicht Siegellack habe ich das Anti-Rutsch-Vlies in der Spielmitte eingelegt, damit es fest verklebt. Jedoch sollte man vorher mit einem Reststück erstmal testen, ob der Lack das Vlies nicht angreift oder gar auflöst. (je nach Lösungsmittel im Lack) Sollte der Lack das Vlies auflösen, kann getrost auch der Holzleim verwendet werden. Dieser wird, wenn dünn aufgetragen, meist durchsichtig und ist im eigentlichen frei von aggressiven Mitteln.

So, das war im eigentlichen schon alles. Wer eine Oberflächenfräse sein eigen nennt, und auch damit umgehen kann, sollte vielleicht ein dickes Holzbrett nehmen und das Spielbrett ausfräsen. Ich habe allerdings keine und ich denke auch das die meisten keine haben werden.

Natürlich kann jeder sein Brett noch verzieren. Zum Beispiel kann man noch Kantenschoner aus Messing an den Ecken anbringen. Oder mit einem schwarzen Filzstift Verzierungen oder Schriftzüge aufmalen, bevor man lackiert. Zum Beispiel mit PC eine Malschablone erstellen, ausschneiden, Konturen nachziehen und ausmalen. Ich denke jedoch, dass dies jedem selbst überlassen sein sollte. Auch ein Scharnier in der Brettmitte zum zusammen klappen ist keine schlechte Idee oder …

Mein Ziel war es jedenfalls, ein Brett zu entwerfen, was Spieltechnisch ungebunden ist, aber dennoch ein Verrutschen der Brettkarten verhindert und auch die Rohstoff- und Handelswaren zusammen hält. Und das ist mir für meine Verhältnisse gelungen.

Sollten noch Fragen beim Basteln und zusammen bauen bestehen, so bin ich gerne unter marc.kunze@web.de bereit jederzeit zu helfen. (Wie schon zu anfangs gesagt, ich bin kein Schreiner!)

Download:
catan_spielbrett.zip (ca. 1,8 MB)
Diese Datei enthält neben einigen Bilder zu den Arbeitsschritten auch die original CAD-Dateien von Marc mit denen Ihr professionelle Vorlagen plotten könnt. Die Bohrschablonen liegen der Datei auch als JPG (das drucken einer JPEG geht nicht unbedingt massstabgerecht) bei.

Für die Darstellung der CAD-Dateien benötigt Ihr ein CAD-Programm oder zumindest ein Programm mit dem Ihr CAD-Dateien betrachten könnt.

Volo View
... ist ein Viewing Tool von Autodesk, mit der nicht nur die gängigsten Zeichen- und Rasterdateiformate (dwg, dxf, dwf, Rasterdateien) dargestellt werden können, sondern auch der gesamte Konstruktionsprozess durch zahlreiche weitere Funktionen wie Redlining, Messen und Plotten ergänzt wird. Dadurch ist der Datenaustausch mit allen am Projekt beteiligten Mitarbeitern und allen Mitgliedern des Konstruktionsteams möglich.

Betriebssystem: Windows
Sprache: deutsch
Autor: autodesk
zu beziehen über den autodesk-Shop

 

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