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Suilui Kämmerer


Anmeldedatum: 19.04.2006 Beiträge: 595 Wohnort: Wien/Österreich
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Verfasst am: Mo 02 Jan, 2012 Titel: |
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Wieder einmal köstlich die Serie. Das ist mir abgegangen in meiner ausführlichen Zeit der siedeln.de-Abstinenz. Aber spüre ich in den spannenden Texten vom Leben auf Catan einen leichten, nein eher ganz zarten Hauch Gesellschaftskritik?? Nein, sicherlich nicht. Doch nicht in der beschaulichen Welt von Catan.  _________________ Grüße aus Süd-Catan
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Peter Gustav Bartschat Encyclopaedia Catanica


Anmeldedatum: 06.05.2001 Beiträge: 2873 Wohnort: Augsburg
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Verfasst am: Fr 06 Jan, 2012 Titel: |
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Vielen Dank, lieber Suilui.
| Suilui hat Folgendes geschrieben: | Aber spüre ich in den spannenden Texten vom Leben auf Catan einen leichten, nein eher ganz zarten Hauch Gesellschaftskritik?? Nein, sicherlich nicht. Doch nicht in der beschaulichen Welt von Catan.  |
Ich spiele bei dieser kleinen Serie ja immer mit dem Gedanken, wie es auf Catan wohl aussähe, wenn all diese Gestalten aus den Brett- und Kartenspielen - und viele unbekannte 'Statisten' dazu - ihr Leben auch außerhalb unserer Spiele weiterführen würden. Vermutlich sähe es gar nicht so viel anders aus als bei uns ... nur mit mehr Schafen und Sechsecken.
Weiter geht es mit einem Blick auf die catanische Lebensmittelversorgung:
Reiner der Müller
Mitten im catanischen 'Weizengürtel', einer Tiefebene voller fruchtbaren Lösbodens, der überwiegend von Ackerbauern besiedelt ist, stand Reiners Mühle. Sicherlich wäre das alte Lied vom Müller, der stets wach ist, auf Reiner angewandt eine propagandistische Übertreibung gewesen, aber tatsächlich hatte Reiner alle Hände voll zu tun.
Die Arbeit eines Müller besteht ja nicht nur daraus, den Mühlsteinen beim Kreisen zuzusehen, dazu gehören auch der Schutz des fertigen Mehls und dessen weiterer Vertrieb an die Bäckereien.
Bei ersterem wurde Reiner durch eine umfangreiche Katzenfamilie unterstützt, die zudem in kalten Nächten mehr als nur eine Wolldecke ersetzen konnte.
Für letzteres pflegte Reiner jede Woche am Marktmittwoch mit dem Ochsenkarren nach Elasund zu fahren.
Sein Mehl verkaufte er meist an die ortsansässige Bäckerin Uta Rugbraudstochter, mit der ihn eine langjährige erfolgreiche Geschäftsfreundschaft verband. Anschließend konnte er die Gelegenheit des Markttags nutzen, um selbst die Dinge einzukaufen, die er für die nächste Woche in seiner Mühle brauchte.
Obwohl er über Utas Bedarf hinaus sicherlich noch mehr Mehl an andere Bäckereien in Elasund hätte verkaufen können, war er in den letzten Jahren dazu übergegangen, einen Teil des Getreides nur zu reinigen und die ungemahlenen Körner zu verpacken.
Die waren für einen besonderen Stammkunden bestimmt, und Reiner lieferte sie jeden Mittwoch gegen Abend auf seinem Heimweg dort an. Dieser Stammkunde war die Klosterbrauerei, in der jeden Donnerstag gebraut wurde, immer im Wechsel Kloster-Hell, Kloster-Weisse, Kloster-Zwickel und Catanator.
War in den catanischen Städten auch längst die geprägte Goldmünze als Währung anerkannt und verbreitet, so pflegten die tranditionsbewussten Mönche im St. Austin Kloster immer noch die gute alte Tauschwirtschaft: Reiner erhielt für sein Getreide als Gegenwert stets einige Fässchen des in der Vorwoche gebrauten Biers; und auch das war etwas, das er bei seiner Arbeit in der Mühle zu schätzen wusste.
*
Reiner war etwas verwundert, bei diesem Besuch Bischof Aurin persönlich im Keller der Klosterbrauerei anzutreffen. Normalerweise kümmerte sich der Bischof kaum um Geschäfte, bei denen für ihn kein Anteil in Form von Gold abfiel.
Der Bischof grüßte Reiner höflich, sagte ein paar Sätze darüber, wie wichtig das Handwerk des Müllers für das Wohleregehen des Gemeinwesens sei, und wie sehr er sich über die gute Zusammenarbeit zwischen Reiner und den Mönchen des St. Austin Klosters freue.
Reiner, der keine Hinterlist gewohnt war, freute sich ehrlich über die freundlichen Worte des hohen Herrn, und gern ließ er sich von Bischof Aurin zu einem Krug des in der vergangenen Woche gebrauten Catanator einladen.
Und dann zu noch einem.
Leutselig plauderte der Bischof über dies und jenes, zeigte sich stets interessiert an Reiners Ansichten, und wie zufällig brachte er schließlich das Gespräch auf den Punkt, um den es ihm tatsächlich gegangen war:
"Sag einmal, Meister Reiner, warst du eigentlich schon einmal in jenem neuen Wirtshaus an der Langen Handelsstraße, diesem ... wie heißt es doch gleich ... dieser 'Roten Laterne'?"
"Oh ja, Eminenz!", versicherte Reiner begeistert. "Und du musst auf jeden Fall auch mal dorthin. Da bekommt ein Mann alles, was ihm seine Ehefrau nicht geben kann."
*
Ruhig und selbstbeherrscht brachte Bischof Aurin das Gespräch zu Ende. Kaum aber hatte Reiner das Kloster wieder verlassen, änderte sich Aurins Mine schlagartig.
"Rasch, sattelt mir Hurtigruten, mein flinkes Ross!", herrschte er die Mönche an. "Zur Stunde noch will ich aufbrechen, diesen Sündenpfuhl selbst in Augenschein zu nehmen!"
[Die Illustration der Karte 'Reiner der Müller' zeigt Reiner Müller, einen Redakteur, der die Entwicklung des Siedler von Catan-Brettspiels von Anfang an begleitet und mit geprägt hat. Reiner Müller entwickelte in den 90er Jahren für die erste Ausgabe der Siedler von Catan eine neue Form der Spielanleitung, die heute zum Standard bei den meisten großen Verlagen geworden ist; er schuf auch die Vorlage für die Cover-Illustrationen, die für die ersten Auflagen der Catan-Brettspiele so typisch waren: Die wie durch ein Teleobjektiv gesehene tiefstehende Sonne, vor der sich als Schattenrisse Gebäude und Personen Catans abheben.]
Versäumen Sie nicht in der kommenden Woche den Beginn unserer dramatischen Trilogie "Die Schicksalstage der 'Roten Laterne'". _________________ ENCYCLOPÆDIA CATANICA: Die Regeln der Siedler von Catan |
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jorganos Händler


Anmeldedatum: 20.12.2011 Beiträge: 110 Wohnort: in S-H
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Verfasst am: Fr 06 Jan, 2012 Titel: |
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Na, so bekommen wir doch gerne die Rote Laterne gezeigt.
Ich hoffe mal, die Serie bleibt jugendfrei... |
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Peter Gustav Bartschat Encyclopaedia Catanica


Anmeldedatum: 06.05.2001 Beiträge: 2873 Wohnort: Augsburg
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Verfasst am: Fr 13 Jan, 2012 Titel: |
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Die Schicksalstage der 'Roten Laterne' - Teil 1 von 3
Ruhe herrschte im catanischen Mischwald, höchstens hin und wieder unterbrochen vom Todesröcheln eines harmlosen Pflanzenfressers, der von einem Raubtier oder Jäger gnadenlos ... aber wir schweifen ab.
Der Boden erzitterte, und zunächst gedämpft, dann immer stärker näherte sich ein Stakkato von Geräuschen, als trommele jemand mit irrwitziger Geschwindigkeit auf einer straff gespannten Haut.
Da kam mit einem Male zwischen den Bäumen etwas Helles in Sicht, näherte sich, raste unaufhaltsam vorbei, und war auch schon wieder verschwunden: Es war Bischof Aurin auf seinem flinken Hengst Hurtigruten, der hier mit verhängten Zügeln und im gestreckten Galopp dem 'Wirtshaus zur Roten Laterne' entgegenstrebte.
Der Bischof hatte vom St. Austin Kloster aus zunächst eine Abkürzung querfeldein genommen, bis er im Wald auf die Lange Handelsstraße stieß. Der folgte er unbeirrt, manchen Wandersmann grob zur Seite zwingend, bis er endlich die 'Rote Laterne' vor sich sah.
Aurin brachte seinen Hengst aus vollem Galopp zum Stehen, und ohne sich um dessen Zustand zu kümmern oder sich auch nur Zeit zum Anleinen zu nehmen, eilte der Bischof dem Eingang der 'Roten Laterne' zu.
Freya Freyastochter stand selbst vor der Tür und hieß Aurin willkommen: "Eminenz, wir hatten schon lange gehofft, dich bei uns begrüßen zu dürfen. Hier, nimm dir einen Schluck ..."
Doch Aurin drang völlig unkommunikativ, bedrohlich mit seinem Pastoralstab fuchtelnd, auf sie ein und drängte sie beseite.
"Hebe dich hinweg, Metze aus Babylon!" herrschte er sie an.
"Aber ich bin aus Schafshaven.", konnte Freya gerade noch korrigieren, da war Aurin auch schon an ihr vorbei und im Inneren des Hauses verschwunden.
*
Dämmerig und angenehm kühl nach dem erhitzenden Ritt war es im Inneren des ehemaligen Stalls.
Hätte Bischof Aurin Sinn für dergleichen Dinge gehabt, so hätte er bemerkt, wie die liebevollen, ordnenden Hände der hier tätigen Damen die Kot- und Urinflecken des einst an diesem Ort beheimateten Viehs hier durch ein Blumenarrangement, dort durch ein Häkeldeckchen zu kaschieren vermocht hatten.
Doch Aurin hatte völlig anderes im Sinn. Er stand am Fuße einer steilen Holzstiege, die erst vor kurzem eingebaut worden sein konnte, denn noch strömte sie diesen wohligen Duft aus, den nur frisch gesägte Bretter besitzen. Die Stiege endete oben an einer Tür zum Dachgeschoss, und durch diese Tür drangen Geräusche ... Aurin hätte sie nicht zu beschreiben vermocht. Noch niemals in seinem Leben, das war er sicher, hatte er dergleichen vernommen.
"Das ist der Klang der Sünde.", sagte Aurin. Er hielt einen Moment inne um zu prüfen, ob jemand diesen Satz gehört hatte. Niemand. Schade. Nun, am kommenden Sonntag würde er von der Kanzel aus genügend Publikum haben, wenn er den Satz in seine Predigt einbaute.
Aurin stieg nach oben. Vielleicht war 'Klang der Unkeuschheit' noch besser. Oder 'Klang niederer Sinnenlust'? Das hatte 'was!
Aurin war oben angelangt. Er packte seinen Pastoralstab fester, um Sünde, Unkeuschheit und niedere Sinnenlust in einem Aufwasch in ihre Schranken zu verweisen. Dann stieß er entschlossen die Tür auf und trat ein.
Wird fortgesetzt
[Die folgende Episode enthält unbearbeitetes Bildmaterial aus dem Inneren des 'Wirtshauses zur Roten Laterne'. Personen, die sich in ihrem sittlichen Empfinden dadurch insultiert fühlen könnten, wird dringend nahegelegt, den 2. Teil der Erzählung zu überspringen und erst zum 3. Teil wieder dazu zu stoßen.] _________________ ENCYCLOPÆDIA CATANICA: Die Regeln der Siedler von Catan |
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Der Hebelianer Kundschafter


Anmeldedatum: 10.01.2012 Beiträge: 1 Wohnort: Schwetzingen
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Verfasst am: Mo 16 Jan, 2012 Titel: |
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| Nicht Shclecht! So hab ich sie mir vorgestellt als ich das Buch gelesen hab! Coole Idee! |
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Peter Gustav Bartschat Encyclopaedia Catanica


Anmeldedatum: 06.05.2001 Beiträge: 2873 Wohnort: Augsburg
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Verfasst am: Fr 20 Jan, 2012 Titel: |
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Die Schicksalstage der 'Roten Laterne' - Teil 2 von 3
[Was bisher geschah: Bischof Aurin reitet vom St. Austin Kloster zum Wirtshaus Zur Roten Laterne, aber nicht über Middle Addlethorpe, sondern über North Thurston, Thrumpton Castle, Middle Fritham und Nether Addlethorpe.]
Aurin war oben angelangt. Er packte seinen Pastoralstab fester, um Sünde, Unkeuschheit und niedere Sinnenlust in einem Aufwasch in ihre Schranken zu verweisen. Dann stieß er entschlossen die Tür auf und trat ein.
Das Zimmer machte im ersten Augenblick den Eindruck eines normalen, gutbürgerlichen Wohnzimmers, in dem gerade ein fröhliches Familientreffen stattfand. Es waren nur Männer anwesend, überwiegend lässig gekleidet. In bester Laune lümmelten sie sich auf Sofas und Sesseln, hatten die Füße auf den Tisch gelegt, Bier oder Schnaps in der Hand, und stritten sich mit lauter Stimme über die aktuellen Sportergebnisse: Lauter Dinge, so wurde Aurin im Moment seines Eintretens klar, die ihnen ihre Ehefrauen offenbar nicht geben konnten.
Doch jetzt verstummte die Fröhlichkeit mit einem Male, und alle Blicke wandten sich Aurin zu.
Freya Freyastochter, so dachte Aurin bei sich, hatte ohne Zweifel herausgefunden, was Männer sich wirklich wünschen, und daraus ein gut gehendes Geschäft gemacht.
Er spürte, dass alle erwarteten, dass er jetzt etwas sagte, einen Satz von Bedeutung, vor Autorität, von Zitierfähigkeit.
"Äh ...', sagte Aurin, "ob auf dem Sofa wohl noch ein Platz für mich frei ist?"
*
Judith, die Hüterin der Kirche, war tief enttäuscht vom Verhalten des Bischofs in der Frage des Umgangs mit der 'Roten Laterne'. So skeptisch sie auch stets im Hinblick darauf war, ob Aurin der Würde seines hohen Amtes wirklich gerecht wurde, so sicher war sie doch gewesen, dass er diesem Etablissement, in dem viele Männer aus Elasund ihre karge Freizeit wesentlich lieber verbrachten als bei ihren Familien oder in der Gemeinde, mit Stumpf und Stiel ausrotten würde.
In letzter Zeit war er selbst bisweilen nicht mehr in Elasund anzutreffen, und sogar sein tägliches Goldbad fiel immer häufiger aus: Offenbar war Aurin selbst in die Fänge des sündigen Etablissements geraten.
Doch Judith wäre nicht Judith gewesen, wenn sie nicht die Chance gesehen hätte, die für sie selbst in dieser Entwicklung steckte. Und so kam es, dass an den Abenden der Markttage Judith auf den Straßen Elasunds vor einer stetig wachsenden Zuhörerschaft aus unzufriedenen Frauen feurige Ansprachen hielt.
Die Männer zogen es meist vor, sich zu diesen Zeiten nicht sehen zu lassen. Immerhin wussten einige von ihnen später zu berichten, das man häufig aus sicherer Entfernung Begriffspaare wie 'Feuer und Schwert', 'Stumpf und Stiel' und 'jetzt oder nie' hören konnte.
Schließlich kam der Tag, an dem Judith - mit einiger demonstrativer Bescheidenheit - die Wahl zur Vorsitzenden der neu gegründeten 'Elasunder Frauenkongregation Santa Agatha für Tradition, Anstand und leichte Diät' akzeptierte.
Doch wer gehofft hatte, Judith würde Ruhe geben, sobald sie die Damen Elasunds einmal fest im Griff hatte, der sah sich enttäuscht. Denn es kam bald noch ein Tag, der Tag, an dem Judith an der Spitze einer mit improvisierten Waffen und brennenden Fackeln ausgestatteten Kolonne von Frauen entschlossen und Choräle singend über die Lange Handelsstraße zur 'Roten Laterne' marschierte.
Angefeuert von Judith, die Empörung ebenso geschickt auszulösen wie die Empörten zu lenken verstand, erreichten die zu allem bereiten Damen der Kongretation das Wirtshaus, in dem man bei den ersten Anzeichen der drohenden Gefahr bereits Türen und Fenster verrammelt hatte.
Judith bog an der Spitze ihrer Anhängerinnen um die Ecke, um den Sturm auf das große Eingangstor zu eröffnen ... doch was sie dort vor sich sah, hatte sie sich in keinem ihrer Tagträume über den Verlauf dieses Tages ausgemalt.
[Versäumen sie nicht in der nächsten Woche den abschließenden Höhepunkt der spannenden Trilogie 'Die Schicksalstage der Roten Laterne'!] _________________ ENCYCLOPÆDIA CATANICA: Die Regeln der Siedler von Catan |
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Peter Gustav Bartschat Encyclopaedia Catanica


Anmeldedatum: 06.05.2001 Beiträge: 2873 Wohnort: Augsburg
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Verfasst am: Fr 27 Jan, 2012 Titel: |
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Die Schicksalstage der 'Roten Laterne' - Teil 3 von 3
[Was bisher geschah: Judith fühlt sich kurz vor ihrem Ziel, das sündige Etablissement, die 'Rote Laterne', ein für allemal zu beseitigen. An der Spitze des von ihr gegründeten und geführten Vereins, der 'Elasunder Frauenkongregation Santa Agatha für Tradition, Anstand und leichte Diät', macht sie Anstalten, das Gebäude zu stürmen.]
Judith bog an der Spitze ihrer Anhängerinnen um die Ecke, um den Sturm auf das große Eingangstor zu eröffnen ... doch was sie dort vor sich sah, hatte sie sich in keinem ihrer Tagträume über den Verlauf dieses Tages ausgemalt.
Vor dem ehemaligen Scheunentor hatte sich eine andere Gruppe von Frauen aufgestellt: Nicht geringer an Zahl, nicht minder entschlossen.
"Heute muss der Sündenpfuhl brennen!", rief Judit trotzig der Frau ins Gesicht, die die Anführerin der Gegenseite zu sein schien. "Ihr werdet uns nicht hindern, indem ihr uns den Weg vertretet!"
"Dieses Haus wird eine Ruine, ehe der Tag zur Neige geht!" erwiderte die andere Frau. "Ihr kommt zu spät, um das noch zu verhindern."
Einen Augenblick lang zögerten beide Anführerinnen, weil sie sich erst darüber klar werden mussten, was die jeweils andere gemeint hatte. Dann aber wurde ihnen klar, dass sie dieselben Ziele hatten.
Rasch stellte sich heraus, dass es sich bei der zweiten Gruppe die erst kürzlich gegründeten 'Odinsborner Walkürentöchter' handelte, die mit genau denselben Problemen zu tun hatten, wie die Damen aus Elasund. 1)
Judith und Inga, die Anführerin der 'Walkürentöchter', schüttelten sich die Hand und bekräftigten, ungeachtet aller Differenzen in Glaubensfragen gemeinsam gegen den gemeinsamen Feind vorzugehen.
"Gemeinsam sind wir unaufhaltsam!" riefen sie ihren Begleiterinnen anfeuernd zu.
Und das waren sie auch.
*
Nur wenige Stunden später erinnerte nichts als ein Haufen schwelender Trümmer an das Gebäude, das für einige Zeit Zuflucht so vieler Männer vor dem tristen heimischen Alltag gewesen war.
Freya Freyastochter und ihre Mitarbeiterinnen hatten wenig mehr retten können als ihr Leben und einige mehr oder weniger ramponierte Kleidungsstücke.
Freya stand da und starrte auf die Trümmer ihres Lebenstraums. Nicht viel hätte gefehlt, und sie wäre zusammengebrochen, aller Entschlusskraft und Tatkraft beraubt, die sie bislang durch alle Höhen und Tiefen ihrer Existenz geführt hatten. Vielleicht hätte sie als bettelnde Jammergestalt geendet, oder vielleicht wäre sie einfach in die Wälder gegangen, aus dem Gedächtnis der Menschen verschwunden ...
... doch dann sah sie ihre Mitarbeiterinnen an, und was sie sah, waren Mädchen und junge Frauen, die sie fragend, aber voller Vertrauen ablickten: Begleiterinnen, die - woher auch immer - zu wissen schienen, dass Freya jetzt wissen würde, wie es mit ihnen weiter gehen sollte.
Und Freya ... akzeptierte die Verantwortung, die ihr hier aufgeladen wurde.
"Seht nicht auf die Trümmer!", sagte sie. "Trümmer sind Vergangenheit. Wir wollten Freude geben, und man hat uns mit Hass belohnt. Jetzt gehen wir einen anderen Weg. Jetzt gehen wir mitten hinein ins reiche Elasund, und wir nehmen ihnen, was sie mehr lieben als alles: Ihr Gold."
Freya wandte sich ab von den Trümmern, schlug auf der Langen Handelsstraße den Weg nach Elasund ein, und ihr wichtigster Besitz ging mit ihr: Frauen, die alles verloren hatten, außer ihrem Vertrauen in Freya.
'Hoffentlich fällt mir unterwegs noch ein, wie wir das eigentlich anstellen können.', dachte Freya und blickte sorgenvoll in die Zukunft. Aber das sahen ihre Begleiterinnen natürlich nicht.
*
Die 'Lange Handelsstraße' zwischen den beiden Städten Elasund und Odinsborn ist tagsüber belebt wie eh und je. Manches Gehöft musste dem modernen zweispurigen Ausbau der Handelsstraße weichen, und einige verlassene Scheunen stehen einsam und von den Reisenden weitgehend unbeachtet am Straßenrand.
An einer Stelle steht eine Ruine, und nur wenige Reisende wagen offen, dorthin zu sehen. Noch weniger, und nur wenn sie ausschließlich von engen Freunden begleitet werden, machen eine Bemerkung wie: "Weißt du noch, damals ...".
Manchmal, so heißt es, hören Reisende, die noch spät am Tag auf der dann weniger belebten Straße hier vorbeikommen, etwas wie ein Flüstern aus dem Inneren der Ruine. Manchmal sollen geheimnisvolle maskierte Gestalten beobachtet worden sein, die das verlassenen Gemäuer als geheimen Treffpunkt zu nutzen scheinen.
Doch das ist wieder eine andere Geschichte.
Ende der Episode.
1) Für den historisch Interessierten mag es wissenswert sein, dass sowohl die 'Elasunder Frauenkongregation Santa Agatha' als auch die 'Odinsborner Walkürentöchter' bis heute auf Catan existieren, wenn auch nur noch als harmlose Damenkegelclubs.
[In der nächsten Woche präsentieren wir als Special das große 'Making of Pimp My Fürsten von Catan', mit einem exklusiven Blick hinter die Kulissen und auf die Menschen, ohne deren nimmermüden Einsatz diese von Publikum und Kritik gleichermaßen geschätzte Kultserie nicht hätte entstehen können.] _________________ ENCYCLOPÆDIA CATANICA: Die Regeln der Siedler von Catan |
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Anmeldedatum: 06.05.2001 Beiträge: 2873 Wohnort: Augsburg
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Verfasst am: Fr 03 Feb, 2012 Titel: |
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Der Boden erzitterte, und zunächst gedämpft, dann immer stärker näherte sich ein Stakkato von Geräuschen, als trommele jemand mit irrwitziger Geschwindigkeit auf einer straff gespannten Haut.
Da kam mit einem Male zwischen den Bäumen etwas Helles in Sicht, näherte sich, raste unaufhaltsam vorbei, und war auch schon wieder verschwunden: Es war Bischof Aurin auf seinem flinken Hengst Hurtigruten, der hier mit verhängten Zügeln und im gestreckten Galopp dem 'Wirtshaus zur Roten Laterne' entgegenstrebte.
Doch da stimmt etwas nicht! Wenn wir genauer hinschauen, dann ist es gar nicht der Bichof, der hier reitet, sondern jemand, der nur das gleiche Gewand trägt, und zudem eine weiße Perücke aufgesetzt hat.
Und treten wir ein paar Schritte zurück, dann sehen wir, dass der Wald voller Menschen und technischem Gerät ist.
Die Welt Catans mit ihren Kaufleuten und Helden, Priestern und Handwerkern: Sie ist nichts als eine Illusion, von geschickten Filmemachern zu unserer Unterhaltung geschaffen. Und wie das genau vonstatten geht, sehen wir uns heute an im großen
Making of 'Pimp my Fürsten von Catan'
Nicht nur, dass Kameras und Scheinwerfer aufgebaut sind, um das Geschehen im Bild festzuhalten: Das Geschehen selbst gewinnt erst im aufgezeichneten Bild seine uns vertraute Gestalt. Denn tatsächlich ist nicht nur der Reiter ein Double des Bischofs, sondern er lenkt das Pferd nicht einmal selbst: Das Pferd achtet nur auf die Handzeichen seiner Trainerin, die außerhalb des Kamerabereichs steht. Ein Sanitäter ist in der Nähe einsatzbereit, falls es bei dieser nicht ganz ungefährlichen Szene zu einem Unfall kommen sollte.
Und wer sitzt auf dem Pferd? Nachdem die Aufnahme 'im Kasten ist', wie man hier beim Film sagt, haben wir Gelegenheit, Alec Guinness, den Darsteller des Bischofs, und sein Double, den erfahrenen Stuntman Yakima Canutt bei einer gemeinsamen Kaffeepause zu beobachten.
Aus der Nähe betrachtet haben Herr Guinness und Harr Canutt keine große Ähnlichkeit miteinander. Dass wir im fertigen Film trotzdem glauben, Alec Guinness reiten zu sehen, liegt - so vertrauen uns die beiden an - an der Nachbearbeitung im Labor. In einem sogenannten 'Optischen Printer' wird das später einzeln aufgenommene Gesicht von Alec Guinness über das Gesicht des Stuntmans kopiert.
"Später einmal wird man das mit Computern machen", orakelt Yakima Canutt. "Es kommt der Tag, an dem können Computer so gut zeichnen, dass man ein im Computer entstandenes Bild nicht mehr von einer echten Aufnahme unterscheiden kann."
Wir nicken höflich, wenn wir das auch nicht glauben können. Computer bei der Filmproduktion? Das ist doch pure Science Fiction ... und somit auch schon wieder ein Teil der Illusionen, die man hier für uns herstellt.
Wir gehen weiter und besuchen Helen Gibson, die erfolgreiche Rodeoreiterin, die hier als Pferdetrainerin mitwirkt. Gerade belohnt sie die gleichfalls Film-erfahrene Stute Wendy, die hier die Rolle des Hengstes Hurtigruten spielt, mit einem Apfel für ihren erfolgreichen Auftritt.
Unser letzter Besuch gilt den wichtigsten Leuten beim Film: Dem Regisseur und den Kameraleuten.
Als Regisseur der zweiten Staffel von 'Pimp my Fürsten von Catan' konnte kein geringerer als der Großmeister des Western, John Ford (in der Mitte), gewonnen werden, dessen Talent in der Kombination von großartigen Landschaftsaufnahmen mit gefühlsstarken Charakterszenen nicht nur manchem Filmklassiker, sondern auch dieser Serie seinen unverwechselbaren Stempel aufprägte. Hier bespricht er gerade detailfanatisch die nächste Einstellung mit seinen beiden Kameramännern.
Links steht der mit nicht weniger als zehn Oscars für seine dynamische Handkameraführung ausgezeichnete James Wong Howe, der A-Kameramann der Serie.
Als B-Kameramann fast ebenso wichtig sehen wir rechts Enzo Barboni, der unter dem Pseudonym E. B. Clucher auch als Regisseur für humoristische Actionfilme Karriere machte. Aber für die 'Pimp my Fürsten von Catan'-Serie ließ er seine Regiearbeit liegen, denn, wie er uns anvertraute, gibt es wahre Erfüllung für einen Filmemacher nur in einer Serie wie dieser, in der die künstlerische Perfektion jeden zuvor produzierten Film um Längen überragt.
Hiermit beenden wir unseren Blick hinter die Kulissen und überlassen diese schöpferischen Charakter wieder ihrer Arbeit an der Fortführung der Serie.
[In der nächsten Woche kehren wir nach Catan zurück und erleben, wie die Zerstörung des 'Wirtshauses zur Roten Laterne' das fragile Sozialgefüge der rivalisierenden Städte und Religionen aus der Bahn geworfen und eine gefährliche Entwicklung eingeleitet hat.] _________________ ENCYCLOPÆDIA CATANICA: Die Regeln der Siedler von Catan |
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Peter Gustav Bartschat Encyclopaedia Catanica


Anmeldedatum: 06.05.2001 Beiträge: 2873 Wohnort: Augsburg
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Verfasst am: Fr 10 Feb, 2012 Titel: |
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Die Streitigkeiten zwischen den Christen und den Asatru hatten sich verschärft.
Waren Auseinandersetzungen in Glaubensfragen auf Catan früher meist mit harschen Worten begonnen und mit kalten Schultern beendet worden - so wie einige Jahrhunderte später in Internet-Foren - so sah man nach der Zerstörung des Wirtshauses zur Roten Laterne häufiger geballte Fäuste, später auch blanke Klingen im ...
Glaubensstreit

Größeren Geistern als den unseren mag es überlassen bleiben zu befinden, ob es einen Zusammenhang zwischen der Steigerung der Aggressivität, mit der die Streitigkeiten geführt wurden, und dem Wegfall eines lange zumindest geduldeten 'Ventils' gab, oder ob hier lediglich der Zufall zwei Phänomente unmittelbar nacheinander auftreten ließ.
Aber derlei Fragen berührten ohnehin die fanatisierten Gruppierungen nicht, die sich insbesondere im wirtschaftlich schwachen Norden jetzt Straßenschlachten an Stelle von Worgefechten lieferten.
Der wohlhabende Süden, bereits vollständig christianisiert - zumindest, was die Bereitwilligkeit zu Lippenbekenntnissen betraf - nahm gegenüber den Kämpfen im Norden eine neutrale Haltung ein. In der Praxis der catanischen Händler hieß das: Beide Seiten wurden bereitwillig mit Waffen beliefert.
Immer häufiger hörte man in Odinsborn und den anderen Ortschaften des Nordens den in Zeiten der Unruhe populären Ruf nach dem 'Starken Mann', der Ordnung schaffen solle. Nun herrscht in solchen Zeiten niemals Mangel an 'starken Männern' ... aber dass sie dem Schaffen von Ordnung mehr Engagement gewidmet hätten als dem Schaffen des eigenen Vorteils, ist bislang noch nicht beobachtet worden.
Was in einer solchen Zeit viel eher von Nöten wäre, ist ein kluger Mann oder eine kluge Frau mit Charisma und Idealismus.
Die Weltgeschichte ist nicht gerade übermäßig gesegnet mit solchen Menschen, doch die Cataner hatten das Glück, dass ein solcher Mensch unter ihnen lebte, als er am dringendsten gebraucht wurde.
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In einer Seitengasse, abseits einer weiteren sich anbahnenden Straßenschlacht, bei der im Namen eines oder mehrerer Götter wieder einmal Menschenleben vergeudet werden sollten, stand ein unauffällig gekleiderter Mann. Er hätte ein Bauer, Handwerker oder einfacher Händler sein können, so zurückhaltend wie er sich gab.
Niemand achtete sonderlich auf ihn - noch nicht!- , und niemand hörte, wie er leise vor sich hinmurmelte: "Wir brauchen eine dritte Macht im Land, eine, die nicht für das Jenseits sterben, sondern für das Diesseits leben will. Und ich glaube fast, ich weiß, wie man das anfangen muss."
[Erfahren Sie in der nächsten Woche mehr über die Pläne des unauffälligen Mannes.] _________________ ENCYCLOPÆDIA CATANICA: Die Regeln der Siedler von Catan |
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