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Kann man das Kartenspiel zu Dritt oder Viert spielen?

Wie der Zusatz zum Namen schon sagt ist das Kartenspiel eigentlich ein Spiel „FÜR ZWEI SPIELER“, das die Catanfamilie nach unten erweitert. So haben auch Spieler, die selten Mitspieler für ein Brettspiel mit 3 oder mehr Spielern finden die Möglichkeit Catan zu besiedeln. Trotzdem kann es auch zu Dritt oder Viert Spaß machen wenn man ein Paar Punkte beachtet. Benötigt das Spiel zu Zweit schon den Platz eines „normalen“ Tisches so wird es zu Dritt oder Viert dort aus Platzgründen Probleme geben, es sollte daher ein ausreichend großer Tisch zur Verfügung stehen. Bei 3 Spielern bietet sich ein großer runder oder sechseckiger Tisch an, so dass die Spieler die Spitzen eines gleichseitigen Dreiecks bilden. Für das Spiel sollte mind. ein weiteres Basisspiel und 1-2 der Themensets zur Verfügung stehen. Für die Grundausstattung sollte man wie folgt verfahren:

Die Startlandschaften des 2. Spieles erhalten andere Zahlen und die rückseitigen Wappen farbige Markierungen, z.B.

rot/blau: Erz4, Gold2, Holz6, Korn3, Lehm1, Wolle 5
schwarz/silber : Erz5, Gold3, Holz1, Korn4, Lehm2, Wolle 6

Auch die Landschaften des Landschaftsstapels sollte man mit anderen Zahlen versehen, so dass keine Landschaft mit 2 gleichen Zahlen vorkommt. Von diesen Landschaften fügt man dem Stapel für 2 Spieler je 5 pro weiterem Spieler hinzu, aber so, dass alle Landschaften etwa gleich oft vorkommen. Den Stapel mit den Straßen ergänzt man um 3 Straßen pro zusätzlichem Spieler, den Stapel mit den Siedlungen und Städten um je 2 bzw. 3 Karten pro weiterem Spieler.

Für die 3 Varianten des Spieles bietet sich folgendes an:

Basisspiel:

Aus dem 2. Basisspiel werden alle Ritter aussortiert. Die restlichen Karten werden mit den Karten des 1. Basisspieles gemischt und 8 Stapel gebildet.
Die Ereignisse werden nur aus einem Spiel verwendet.

Erweiterte Grundspiele:

  • Barbaren&Handelsherren:
    Hier werden aus 2 Themensets die Triumphbögen und Häfen aussortiert und zusammen mit den 2 Häfen aus den 2 Basisspielen bei 3 Spielern je 3 und bei 4 Spielern je 4 davon offen ausgelegt. Beim Ereignis „Turnier“ kann der Spieler, der Flavo besitzt wenn 2 Spieler Platz und Gold haben auswählen bei wem er Flavo platziert.

  • Handel&Wandel:
    Hier werden aus 2 Themensets die Handelskontore aussortiert und zusammen mit den 2 Handelskontoren aus den 2 Basisspielen bei 3 Spielern 3 und bei 4 Spielern 4 davon offen ausgelegt.

  • Politik&Intrige:
    Hier werden die Kirchen und Rathäuser aus den 2 Basisspielen aussortiert und bei 3 Spielern 3 und bei 4 Spielern 4 davon offen ausgelegt.

  • Ritter&Händler:
    Die Karten Inquisitionsollten wie üblich aussortiert werden, bei 3 Spielern sollte auch nur mit 3 Kaperflotten gespielt werden. Da es hier keine offen ausliegenden Gebäude gibt reicht evtl. auch ein Themenset zusätzlich zu den beiden Basisspielen. Für Anfänger ist dieses Set sicherlich am geeignetsten um erstmalig zu Dritt oder Viert zu spielen.

  • Wissenschaft&Fortschritt:
    Hier werden aus zwei Themensets die Universitäten aussortiert und bei 3 Spielern 3 und bei 4 Spielern 4 davon offen ausgelegt. Bei 3 Spielern sollte man nur mit je 3 Kaperflotten, Kanonen, Erfindern, Buchdrucken und Dreifelderwirtschaften spielen.

  • Zauberer&Drachen:
    Hier werden aus einem weiteren Themenset je 2 Zitadellen pro zusätzlichem Spieler zu den 5 Zitadellen des 1. Themensets hinzugefügt und wie üblich offen ausgelegt. Die Zauberer werden aus einem Themenset aussortiert. Empfehlenswert ist es 2 oder 4 Zauberbünde aus dem Themenset Barbaren&Handelsherren hinzuzufügen.

  • Künstler&Wohltäter:Hier werden aus einem weiteren Themenset pro zusätzlichen Spieler ein Haus des Mäzens und eine Volksstimmung, von der jeder Spieler zu Beginn eine erhält hinzugefügt. Aus dem beiden Basisspielen wird eine Wasserversorgung pro Spieler zusammen mit den Häusern des Mäzens offen ausgelegt. Bei 3 Spielern sollte man nur mit 3x Armenspeisung, 6 Kunstwerken, 3 Statuen , 3 Tjosten und 3x Wachstum spielen. Guido sollte nur von dem Spieler mit den wenigsten Siegpunkten oder die durch Guido erhaltene Angriffskarte nur gegen Spieler mit mehr Siegpunkten eingesetzt werden.


Die einmaligen Einheiten (Drachen, Flavo, Ritter) sollten jeweils aus einem der beiden Themensets aussortiert werden, die übrigen Karten werden mit dem 1. Themenset vermischt und daraus 3 Stapel gebildet. Wird mit mehreren verschiedenen Themensets gleichzeitig gespielt so kann es ausreichen wenn nur je ein Themenset vorhanden ist, dass die offen ausliegenden Gebäude für 2 Spieler reichen. Dem oder den anderen Spielern sollten dann aber andere offen ausliegende Gebäude zur Verfügung stehen, z.B. wäre die Kombination 2 Universitäten und 2 Handelskontore möglich. Es ist allerdings auch die Variante denkbar, dass keine Gebäude offen ausgelegt werden und alle Karten (Basiskarten und Themensetkarten) vermischt und auf Stapel mit etwa 15 bis 16 Karten verteilt werden.

Turnierspiel:

Da hier jeder Spieler sein eigenes Deck hat, sind außer den 3 oder 4 Fürstentümern und den Resourcenkarten der Basisspiele keine weiteren Karten notwendig. Da aber statt 13 dann 17 bzw. 21 Ereigniskarten vorhanden sind und damit die Wahrscheinlichkeit für die eigenen Ereigniskarten abnimmt, könnte man evtl. von den Standardereignissen einen Bürgerkrieg und eine Seuche entfernen. Das würde auch das Risiko von Ritterdecks etwas minimieren, da ja bei 3 oder 4 Spielern die Gefahr noch viel höher ist, dass man einmalige Einheiten nicht bauen kann.

Für alle 3 Varianten bieten sich zudem folgende Regeländerungen an:

a) allgemein:
  • Kein Spieler darf mehr als 7 Siedlungen haben.
  • Kein Spieler darf mehr als 5 Städte haben.
  • Aktionskarten außer Schutzkarten dürfen erst gespielt werden wenn bei 3 Spielern die Summe der Siegpunkte 10 und bei 4 Spielern 13 ist.
  • Kein Spieler darf von einem Gebäude mehr bauen als es im Spiel zu Zweit möglich wäre, d.h. es dürfen z.B. max. 3 Befestigte Lager von einem Spieler gebaut werden.
  • Bevor ein Spieler eine Aktionskarte mit einer Würfelprobe (Feuerteufel, Raubzug, Schwarzer Ritter) spielt muss er den Spieler benennen gegen den er die Karte einsetzt damit dieser ggf. eine Schutzkarte spielen kann.
  • Es darf wie im Brettspiel nur mit dem am Zug befindlichen Spieler getauscht werden.

b) Ereignisse:
  • Beim Ereignis „Räuberüberfall“ dürfen die Spieler pro weiterem Spieler 2 zusätzliche Rohstoffe haben.
  • Beim Ereignis „Mühle“ darf der Spieler mit der Handelmacht nur bei einem Spieler einen Rohstoff stehlen. Hat er das Bankhaus gebaut kann er bei einem Spieler 2 oder bei 2 Spielern je einen Rohstoff stehlen.
  • Beim Ereignis „Bürgerkrieg“ benennen die Spieler jeweils beim linken Nachbarn eine Einheit die entfernt wird.
  • Beim Ereignis „Konflikt“ oder „Überfall“ kann der Spieler mit der Rittermacht einen beliebigen Spieler benennen den er schädigen möchte.
  • Beim Ereignis “Bettelmönche“ muss der Spieler mit der Handelsmacht dem Spieler mit den wenigsten Handelspunkten 2 Rohstoffe schenken, haben 2 Spieler gleich viele Handelspunkte so erhält jeder Spieler einen Rohstoff, hat der Spieler mit der Handelsmacht in diesem Fall nur einen Rohstoff, so erhält der Spieler mit den wenigsten Siegpunkten den Rohstoff, gibt es auch hier gleich viele Spieler entscheidet der Spieler mit der Handelsmacht wem er den Rohstoff schenkt.

c) Besondere Karten:
  • Mit der Karte „Eryn der Druide“ bekommt man so viele Rohstoffe wie die Differenz an Siegpunkten zum Gegner mit den meisten Siegpunkten beträgt.
  • Da das Risiko bei mehr Mitspielern die Vogtei durch einen Wurf des „?“ zu verlieren steigt, verliert man diese nur wenn der unmittelbar vor einem würfelnde Spieler das „?“ wirft.
  • Hexen gehen nur verloren wenn der Spieler, bei dem sie ausliegen das „?“ wirft, Dogmen gehen wie üblich verloren wenn der auslegende Spieler das „?“ wirft.
  • Für eine Handelsniederlassung bekommt der Spieler, dem sie gehört nur dann einen Rohstoff wenn der Spieler bei dem sie ausliegt oder er selber die entsprechende Zahl wirft.
  • Um Rohstoffvervielfacher (Ziegelbrennerei, Warenbörse, Haus der Republik) nicht zu stark zu machen bietet es sich an, dass man nur dann 2 bzw. 3 Rohstoffe bekommt wenn man selber und der vor einem am Zug befindliche Spieler würfelt. Analog könnte dies für den Kolonialstützpunkt und andere Gebäude gelten durch die man beim Würfeln Rohstoffe erhält.
  • Für den Geheimbund bietet es sich an, dass wenn das Zielgebäude bei einem Spieler zerstört wird, es möglich ist sich ein Zielgebäude bei einem anderen Spieler auszuwählen, sofern eins vorhanden ist.
  • Wer ein Gericht baut darf 8 plus 2 Rohstoffe für jeden Spieler beim "Räuberüberfall" haben.
  • Johanna die Kriegerin reduziert die Stärke der Drachen und Kanonen in den Fürstentümern aller Mitspieler.


Natürlich können die Spieler weitere Regeländerungen vereinbaren - Catan ist ein freies Land. Im Vordergrund sollte der Spielspaß stehen. Da sich das Spiel zu Dritt oder Viert anbietet um Neulingen von einem erfahrenen Spieler das Kartenspiel näher zu bringen, sollte der erfahrenere Spieler auch daran denken den anderen die Freude am Kartenspiel zu erhalten und sich ggf. etwas in seinen Aktionen zurückhalten. Da es hier sicherlich öfter vorkommt, dass Landschaften mit 3 Rohstoffen gefüllt sind, wird das Tauschen untereinander einen etwas höheren Stellenwert haben als im Spiel zu Zweit. Darauf sollten erfahrene Spieler Anfänger ebenfalls aufmerksam machen.

Weitere mögliche Varianten für das Spiel zu Dritt oder Viert werden hier vorgestellt:

>> 1. Link << (Die dort gelisteten Sonderregeln orientieren sich aber noch an den Regeln des Kartenspieles vor der Reform 2003)


>> 2. Link <<


>> 3. Link <<


Erfahrungen des Spieles mit 3 oder 4 Spielern werden hier diskutiert: >> Klick <<

Letzte Änderung des Artikels: 2011-11-02 10:39
Verfasser des Artikels: Dr. Reiner Düren

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