R. Catanische Trivia
Tarifliche und nebenberufliche Einkünfte auf Catan
Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, was Sie eigentlich von Beruf sind.
Wir denken jetzt natürlich nicht an Bäcker oder Politesse, Atomphysiker oder Fernsehrichterin – denn wir gehen davon aus, dass Sie im allgemeinen schon wissen werden, wo Sie hinmüssen, wenn Sie morgens aus dem Haus gehen – sondern wir denken an Ihre Aufgabe als Abenteurer auf Catan, konkret unter den in CANDAMIR – DIE ERSTEN SIEDLER geschilderten Bedingungen.
Immer wieder treibt es Sie aus dem Dorf hinaus, um nach Rindvieh oder innenarchitektonischen Bauteilen zu suchen, und manchmal schleppen Sie noch zusätzlich Schmuck- und Kleidungsstücke, klebrigen Bio-Süßstoff oder die Außenseite toter Tiere an.
Sie sind, um es kurz zu machen, nichts anderes als ein Spediteur in schein-selbstständigem Arbeitsverhältnis - auch Ich-AG genannt. Das heißt: Nach außen hin können Sie zwar tun und lassen, was sie wollen, tatsächlich aber sind Sie davon abhängig, dass Sie Aufträge von nur vier Personen erhalten. Da bleibt nicht viel Spielraum für Tarifverhandlungen: Sie müssen nehmen, was Ihnen für die Erfüllung eines Auftrags geboten wird, und dann zusehen, dass Sie damit zurecht kommen.
Welcher Art diese Aufgaben sind? In den meisten Fällen bleibt ein diskretes Mäntelchen darüber gedeckt: Sie treiben sich eine Weile in der Gegend herum, kommen anschließend wieder heim, und die Dorfbevölkerung nimmt zur Kenntnis, dass Sie jetzt nicht nur bei einem der Honoratioren einen (Siegpunkt-)Stein im Brett haben, sondern darüber hinaus auch noch mit einem wenig gebrauchten Kompositbogen neuester Konstruktion ausgestattet sind.
Ob Sie tatsächlich nur den Auftrag hatten, den Erzhauern im Gebirge ein wenig unter die Arme zu greifen – wie Sie und Ihr Auftraggeber einmütig erzählen – oder ob mehr dahinter steckte: Sie werden es nicht verraten, und wir wollen hier nicht weiter in Sie dringen.
Natürlich bestimmt der mächtigere von zwei Vertragspartnern immer die Bedingungen. Wenn Sie also einen Arbeitsvertrag eingehen, dann müssen Sie zunächst in Vorleistung treten; das heißt: Sie müssen sich am Anfang allein abrackern und bekommen die Belohnung erst hinterher, wenn Sie sich nach erfolgreichem Abschluss des Auftrags wieder im Chefbüro melden.
Was wir damit sagen wollen? Nun, wir wollen Ihnen erklären, warum Sie zum Beispiel zwei Felle, die Sie sich unterwegs erkämpf haben, nicht mitnehmen dürfen, wenn ihr Handkarten-Limit dadurch überschritten wird – zwei Felle unter Ihrem Zielplättchen aber trotzdem erhalten*: Das, was Ihnen durch das Erreichen des Zielplättchen zusteht, ist nämlich nichts anderes als die Belohnung, die Sie von Jared, Sieglind oder wer immer auch Ihr Auftraggeber sein mag, nach Ihrer Rückkehr erhalten. Und weil Sie die Belohnung tatsächlich erst kriegen, wenn Sie wieder im Dorf sind und bei Ihrem Auftraggeber vorstellig werden, kann sie auch unterwegs Ihr Handkarten-Limit nicht belasten.
Anders verhält es sich mit Kräutern, Fellen oder was Sie sonst unterwegs durch Proben, Abenteuer oder auf andere Weise erlangen: Diese Dinge gehören nicht zu Ihrer vereinbarten Belohnung. Sie haben unterwegs die Möglichkeit genutzt, ein paar kleine, nebenberufliche Einkünfte zu erzielen, und diese Einkünfte müssen Sie dann halt die ganze Zeit mit sich herumschleppen.
Sollte Ihnen dabei der Stoßseufzer entschlüpfen: "Hoffentlich wird bald der baumstammlose Zahlungsverkehr erfunden!", dürfen Sie auf unser Mitgefühl zählen.
* Vergleiche dazu den Artikel: Bekomme ich bei einer erfolgreichen Probe auf meinem Zielkärtchen beide Belohnungen, auch, wenn mein Handkartenlimit überschritten wird? -> klick <-
Letzte Änderung des Artikels: 2005-11-13 19:38
Verfasser des Artikels: Klaus Teuber / Peter Gustav Bartschat
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