D. DAS (alte) KARTENSPIEL » 3. Karten (Eigenschaften, Funktionen und Regeln der einzelnen Karten) » Stadtausbauten » Gebäude » Bordell

Darf man ein Bordell in eine fremde Stadt bauen wenn man selber noch keine Stadt hat?

Kurze Antwort für Pragmatiker:
Ja.

Lange Antwort für Adepten:
Bedingungen, die man zum Auslegen einer Karte erfüllen muss, müssen aus der Regel hervorgehen.

Das bedeutet in diesem Fall: Um eine Karte in einer gegnerischen Stadt auslegen zu können, muss nur der Gegner eine Stadt haben.

Gäbe es weitere Bedingungen (eigene Stadt, eigenes Rathaus, tragen von grüngestreiften Socken), müssten sie dabei stehen. Tun sie aber nicht, also gibt´s keine.

Man könnte aber auch argumentieren, dass das Know-how zum Bauen von Stadtausbauten erst dann vorhanden ist, wenn man eine Stadt hat. Die Handwerker der fremden Stadt werden wohl von den Ratsmitgliedern bzw. von deren besseren Hälften davon abgehalten, sich dort zu engagieren.

Man könnte dann dagegen argumentieren, dass diese Sichtweise von den Regeln nicht gestützt wird ... aber das wäre eine langweilige Antwort.

Daher wollen wir eine andere Argumentationsweise vorziehen:

Wie wir aus Filmen über den Bau der transkontinentalen Eisenbahn - wie zum Beispiel Cecil Blount deMilles Union Pacific - wissen, ist es eine beliebte Maßnahme von schnurrbärtigen Finsterlingen, der Konkurrenz Bordelle (wobei sich das in deMilles Saubermann-Welt auf dezente Andeutungen beschränkt) vor die Nase zu setzen.

Und wie macht man das? Geht man höchst persönlich in das gegnerische Lager und sagt: "Guten Tag, wir sind von der Konkurrenz, wir möchten Sie jetzt ein bisschen schikanieren, in dem wir Ihre Arbeiter ausnehmen. Unsere eigenen Handwerker haben wir gleich mitgebracht; wenn Sie jetzt so freundlich sein wollen, uns Platz zu machen?"

Nein, das macht man natürlich nicht, weil Joel McCrae dann schon nach zehn statt nach neunzig Minuten seine beiden Revolver aus den Holstern gezaubert und für Ordnung gesorgt hätte!

Also heuert man einen Subunternehmer an, der - scheinbar völlig unabhängig vom eigentlichen Auftraggeber - seine Tingeltangel-Buden aufbaut.

Und fast genau so funktioniert´s auch mit dem Catanischen Bordell: Wer in einer gegnerischen Stadt ein Bordell errichtet sehen möchte, der bezahlt einen - na, wie heißt der? Vielleicht Bordellier? - damit der mit Sack und Pack, Mann und Mäuschen in eine gegnerische Stadt zieht, dort ein Grundstück pachtet und darauf ein Bordell errichtet.

Die Bezahlung kann allerdings sehr wohl aus den Erträgen einer rein agrarischen, noch nicht urbanisierten Gesellschaft kommen: Die Stadt muss ja nur da sein, wo das Bordell hin soll, und das architektonische Know-how bringen die dortigen Bauunternehmer ein, die mit der Errichtung des Gebäudes beauftragt werden. Nur die Kosten muss der eigentliche Auftraggeber decken.

Wie wir sehen, zeigt uns also nicht nur die Regel, sondern auch die Catanische Soziologie, dass der Auftraggeber nicht selbst eine Stadt besitzen muss.

Letzte Änderung des Artikels: 2005-11-02 21:40
Verfasser des Artikels: Peter Gustav Bartschat

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